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«Sensibilität ist eine Stärke»


Auf diesen Tenor hat vor allem das französische Fach gewartet. Aber auch italienische Partien lenkt Benjamin Bernheim mit seinen stilbewussten, fein schraffierten und nie oberflächlich effektvollen Interpretationen in eine neue Richtung. Ein Gespräch über Künstlerklischees, Stimmkrisen, Lampenfieber und die Tücken unserer schnelllebigen Zeit

Herr Bernheim, wie würden Sie den Stimmtyp «französischer Tenor» beschreiben? Oder existiert so etwas gar nicht?
Ich glaube, es ist ein Klischee – oder eine Marketingmaßnahme. Wenn etwas typisch sein könnte, dann vielleicht die Farbe. Dieses Silbrige. Anders als die eher goldenen italienischen Stimmen. Man kann es auch über die Komponisten definieren: Französische Stimmen fühlen sich zum Beispiel bei Massenet wohler. Meine Stimme hat sicherlich eher etwas Leichtes, sie ist nicht latinohaft.

Und trotzdem: Wir alle können mit unserer Stimme auf unsere Weise verschiedenes Repertoire bestreiten. Wenn ich also Französisches, Italienisches, Russisches oder Deutsches singe, dann gibt es immer einen klanglichen, farblichen Unterschied. Und dafür ist allein die Sprache verantwortlich, im Italienischen etwa das typische Squillo. Im Russischen kann ich sogar französische und italienische Farben zusammenfließen lassen.

Viele Solistinnen, Solisten, auch Vertreter der Dirigentenzunft sagen: Eine Mozart-Stimme gibt es gar nicht.
Genauso ist es. Fast alle Stimmtypen können Mozart singen. Ein leichter lyrischer Tenor kann den Tamino interpretieren, aber auch eine fast heldische Stimme. Und das …

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Wohin die Stimme führt


Erst im September hatte er seinen ganz großen Auftritt an der Hamburgischen Staatsoper: Das Rollendebüt als Hoffmann in Jacques Offenbachs »Les Contes d’Hoffmann«. Über diese komplexe Traumrolle und die Höhen und Tiefen seines Sängerlebens sprach der französischen Tenor mit Yeri Han in der Hansestadt.

Read full interview here: Opernglas 11_ Benjamin Bernheim

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Ténor à développment durable


Article à découvrir ici : BENJAMIN BERNHEIM DIAPASON

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Critical Acclaim

Der französische Tenor Benjamin Bernheim in der Rolle des Hoffmann, der sich in jüngster Zeit mit seinen Interpretationen von großen Tenorpartien des romantischen Repertoires bei Publikum und Presse empfahl, heute hier in Hamburg sowohl am Haus als auch in der Rolle debütierte, zeigte bereits in seiner ersten Arie gesangliche und darstellerische Klasse. Mit kontrollierter Gesangstechnik gelang es ihm, die dramatischen als auch die jungen und frischen Farben in seiner lyrischen Stimme zu fokussieren. Die lange und äußerst fordernde Rolle hielt er auch im Laufe des Abends auf allerhöchstem Niveau. Er erhielt zu Recht den stärksten Applaus vom Publikum.

 

{The French tenor Benjamin Bernheim in the role of Hoffmann, who recently made his debut here in Hamburg both at the house and in the role with his interpretations of great tenor roles in the romantic repertoire, made his debut showing from his first aria class in both his performance in his singing.  With controlled singing technique he managed to focus the dramatic as well as the young and fresh colors in his lyrical voice.  He kept the long and extremely demanding role at the highest level throughout the course of the evening.  He rightly received the strongest applause from the audience.}

 


Patrick Klein
IOCO Kultur im Netz

Critical Acclaim

Mit Benjamin Bernheim wurde für den Helden ein idealer Sänger gefunden. Mit sieben Arien une etlichen Szenen stellt die Partie des Hoffmann hohe Anforderungen, besonders dann, wenn es gilt, die Stimme ohne übertriebenen. 

{An ideal singer was found for the hero in Benjamin Bernheim. With seven arias and numerous scenes, Hoffmann’s role creates high demands vocally without strain.}

 


JÜRGEN KESTING
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Critical Acclaim

Ses trois mélodies de Duparc touchent à la perfection tant pour la clarté de l’articulation que pour le jeu sur les demies teintes avec un sommet dans « La Vie antérieure » dont il exprime avec beaucoup de profondeur la douloureuse mélancolie.

{His three melodies by Duparc touch on perfection both for the clarity of the articulation and for the play in the middle voice with a climax in “La Vie Former” whose painful melancholy he expresses with great depth.}


Frédéric Norac
Musicologie

Critical Acclaim

L’émotion est, ici, au rendez-vous et le spectateur se laisse emporter par les notes, les belles sonorités de la langue allemande (parfaitement maîtrisée par ailleurs), la justesse et la précision du chant.

{The emotion is here, and the viewer lets himself be carried away by the notes, the beautiful sounds of the German language (perfectly mastered by the way), the accuracy and precision of the song.}


Un vent de poésie avec Benjamin Bernheim au TCE Lara Othman
Ôlyrix

Feature

Mit sinnlichem Schmelz gradewegs in den Opernhimmel


In der internationalen Opernwelt ist er längst kein Geheimtipp mehr: Dem 36-jährigen französischen Tenor Benjamin Bernheim reiste schon so mancher Musikliebhaber nach. Die Wiener Fans mussten das nicht, denn in der Wiener Staatsoper konnte man sich seines warmen, silbrigen Klanges schon in allen Höhen erfreuen. Auch die anspruchsvollsten Kritiker loben den lyrischen Sänger, der stolz darauf ist, der Erste in seiner Familiengeneration zu sein, der eine Bar Mitzwa hatte. WINA traf den Künstler vor seinem Liederabend bei den Salzburger Festspielen 2021.

Wina: Wegen des weltweiten Lockdowns mussten Ihre lang geplanten Auftritte verschoben werden: Sowohl die Titelrolle in einer Neuproduktion von Faust an der Pariser Opéra wie auch das Debüt als Roméo an der New Yorker Metropolitan Opera. Wie ist es Ihnen mit diesen Absagen ergangen?

Benjamin Bernheim: Ich hatte noch Glück, weil ich mit zahlreichen Streaming-Konzerten beschäftigt war. Diese Chance hatten viele andere Künstler und Sängerinnen nicht. Aber für uns alle war die Situation bedrückend und psychologisch schwierig. Mich ärgerte, dass die Theatermacher und Opernproduzenten selbst so pessimistisch waren und auch meinen Optimismus dämpften.
Die Met muss ganz schnell wieder den Betrieb aufnehmen, denn es ist nicht nur für die USA das wichtigste Haus, sondern weltweit von großer Bedeutung. Und zwar für die Beschäftigen auf allen Ebenen, nicht nur für das künstlerische Personal: Damit professionelle Arbeit auf höchstem Niveau geleistet werden kann, müssen alle Beteiligten – Techniker, Musiker und Bühnenarbeiter – zusammenwirken.

Im Haus für Mozart gestalteten Sie soeben Ihren Liederabend mit Werken von Ernest Chausson, Clara Schumann, Johannes Brahms und Benjamin Britten. In Wien präsentieren Sie am 3. Oktober im Konzerthaus wieder Lieder. Wird man hier das Salzburger Programm hören?
Nur teilweise. Denn aus Respekt vor dem Publikum und den Institutionen möchte ich in Wien ein neu gemischtes Programm bringen. Ich bin kein ganz großer Liederabend-Sänger, ich habe mich ja bisher viel mehr auf die Oper fokussiert. Aber ich habe jetzt auch dieses Repertoire gelernt, damit ich mehr Möglichkeiten habe, sollte es wieder zu einer Schließung der Opernhäuser kommen.

Mit nur 27 Jahren debütierten Sie 2012 bei den Salzburger Festspielen. 2018 sangen Sie mit großem Erfolg bei den Pfingstfestspielen. Werden Sie 2022 in der neuen Direktion Bachler zu Pfingsten oder im Sommer wiederkommen?
IWir haben schon einige Projekte besprochen, da ich aber zu den glücklichen Sängern gehöre, die einen gut gefüllten Terminkalender haben, müssen wir schauen, was noch möglich ist. Aber natürlich sind für einen Opernsänger Salzburg und Wien für die Karriere besonders wichtig: Das ist nämlich die Mischung aus Olympischen Spielen und Weltmeisterschaft, daher ist es essenziell, hier präsent zu sein. Vor allem freue ich mich, dass wir über neue Opernproduktionen und auch konzertante Opernaufführungen für die Saison 2022–2023 sprechen.

Auch in Wien und Mailand gibt es neue Direktoren. Hatten Sie schon Kontakt zu Bogdan Roščić und Dominique Meyer?
Es gab schon einige sehr gute Treffen mit Direktor Roščić. Er hat mich sehr früh nach seiner Bestellung angerufen und gesagt, dass er mich in Wien für verschiedene Projekte einplanen möchte. Das ist eine große Ehre, denn ich weiß, dass er bemüht ist, neue Leute nach Wien zu bringen. An der Scala werde ich auch wieder singen, da haben wir mit Dominique Meyer schon einiges für die Zukunft ausgeheckt.

Stand Ihr Wunsch, Opernsänger zu werden, schon früh fest?
I Nein, ganz im Gegenteil: Meine Eltern sind beide Opernsänger, ich bin oft im Opernhaus backstage gewesen und habe gesehen, dass das ziemlich schwierig und anstrengend war. Ich wollte viel lieber Diplomat oder Psychologe werden.

Wie ist es dann doch passiert?
I Mit siebzehn habe ich dann doch meine Stimme ausprobiert. Ich war nicht so überzeugt von ihr, dachte eher, sie wäre zu hell und nasal, aber die Leute waren begeistert. Dieses positive Echo hat die Entscheidung gebracht. Der Beruf hat quasi mich gefunden.

Wurden Sie auch von Ihren Eltern unterrichtet?
I Ich habe intuitiv gespürt, dass ich mich vom Einfluss der Eltern lösen muss, um einen eigenen musikalische Weg finden zu können. Ich ging schon mit 18 Jahren zum Studium nach Lausanne.

Mit 23 Jahren waren Sie bereits am internationalen Opernstudio der Oper Zürich. Nur zwei Jahre später, 2008, wurden Sie Mitglied des Ensembles und bald darauf ein gefragter Gast an den führenden Opernhäusern. Ging alles immer so reibungslos in Ihrer Karriere, nur bergauf?
I Überhaupt nicht! Ich bin heute nur hier, weil ich oft gescheitert bin: Es gab viele Vorsingen und etliche Arbeitsproben, die ich nicht geschafft habe. Meine Stimme hat oft versagt, ich habe sogar zweimal mit dem Singen aufgehört. Zu meinem optimalen Lehrmeister wurde die Bühne in Zürich. Da konnte ich hautnah erleben, unter wie viel Druck Stars wie Jonas Kaufmann, Vittorio Grigolo und Juan Diego Flórez stehen. Das war eine ideale Trainingszeit für meine Ohren und für mich. Jetzt, wo ich selbst an den großen Häusern singe, fühle auch ich den Stress, das viele Reisen und vor allem, wie wenig geprobt wird.

Großer Erfolg war Ihnen 2018 an der Wiener Staatsoper beschieden, als Sie drei sehr unterschiedliche Partien gesungen haben: den Tamino in Mozarts Zauberflöte, den Nemorino in Donizettis L’elisir d’amore und den Rodolfo in Puccinis La Bohème. Zum Ausklang der Ära Meyer gab es noch den Alfredo aus Puccinis La Traviata. Mit Rodolfo, den Sie u. a. in Paris, Zürich, London und Berlin gesungen haben, kommen Sie im Jänner wieder nach Wien. Etwas später können wir Sie hier zum ersten Mal als Edgardo in Lucia di Lammermoor hören. Dennoch fehlen mir in Wien einige interessante Partien, die Sie an anderen renommierten Opernhäusern singen, z. B. der Duca di Mantua in Rigoletto, der Lenski in Eugen Onegin oder der Faust.
Den Herzog in Rigoletto singe ich im Dezember in Barcelona und zukünftig auch an anderen Häusern. Die Wiener Gespräche beziehen sich auf die nächste Saison und sind noch nicht endgültig bestätigt, daher muss ich leider schweigen.

In der Zürcher Barrie-Kosky-Inszenierung von Verdis Macbeth, die jüngst auch in Wien zu sehen war, sangen Sie den McDuff an der Seite von Anna Netrebko. Arbeiten Sie derzeit an einer neuen Rolle?
Jetzt haben Sie mich erwischt: Im September debütiere ich an der Hamburger Staatsoper in der Titelrolle von Offenbachs Hoffmanns Erzählungen. Da erfüllt sich ein Traum für mich.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung Ihrer Stimme? Opera News bezeichnet sie schon jetzt als „makellos und rein, vom zärtlichen Pianissimo bis zum heldenhaften Fortissimo je nach Bedarf“. Wilhelm Sinkovicz von der Tageszeitung Die Presse nennt Sie einen der Hoffnungsträger des Opern-Business, schwärmt von Ihrer ersten CD mit Opernarien und attestiert Ihnen „eine elegant timbrierte Stimme voll Schmelz“. Er lobt die ausbalancierten Phrasen, die dank Ihrer technischen Meisterschaft in vollem Saft strömen: „Ein so sicher eingebundenes hohes C hört man nicht alle Tage.“ Alle Experten und Liebhaber sind sich einig: Ihre Stimme wird offenbar immer dramatischer und wohl auch größer. Gehen Sie in Richtung Cavaradossi (Tosca) oder sogar Lohengrin?
Nein, ein Don Carlos, Don José oder Cavaradossi kommen in den nächsten fünf Jahren für mich nicht in Frage, ich erfreue mich gerade an Werther oder Hoffmann. Ich nehme mir jetzt die Zeit, die Jugend meiner Stimme zu genießen, diese so schlank wie möglich zu halten – jedenfalls solange dies geht! Es wäre sehr schwer, zu meinen derzeitigen Rollen als Romeo, Faust und Rodolfo zurückzukehren, wenn ich ins spinto lirico (italienisches Gegenstück zum jugendlichen Heldentenor) springen würde.

Bei meinen Recherchen zu Ihrem Namen habe ich Bernheims bei der Uhrenfirma Raymond Weil gefunden. Sind Sie mit ihnen verwandt?
Bernheims gibt es in Genf, Lausanne und Paris eigentlich wie Meiers anderswo. Die Familien stammen ursprünglich aus dem Elsass. Die Uhren-Bernheims sind sicher meine Cousins.

Wie hat Ihre Familie den Zweiten Weltkrieg und die Schoah überlebt?
Der französische Zweig der Familie floh 1941 aus Paris in die Schweiz, nach Lausanne. Ein großer Teil war in Algerien, und einige überlebten sogar in Frankreich in der „freien Zone“. Der Großteil kam nach Paris zurück; mein Großvater arbeitete viele Jahre in Genf, wo auch meine Eltern wohnten.

Wurden Sie jüdisch erzogen?
Ja, das Jüdisch-Sein war ein Thema. Ich war der Erste in meiner Generation, der eine Bar Mitzwa hatte. Ich lebe mit meiner Familie in Zürich, und ich würde gerne engeren Kontakt zur Gemeinde pflegen. Aber als Künstler, der ständig auf Achse ist, gestaltet sich das schwierig. Ich bin nicht religiös, doch ich bewahre mir den Stolz auf meine Wurzeln und und die jüdische Tradition. Ich betrachte mich am ehesten als Citoyen im französischen Sinn.

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Critical Acclaim

Der wichtigste Grund: Benjamin Bernheim, weltweit heiß gehandelt. Und sensationell. Ein Hoffmann mit Goldkanten auf den Stimmbändern, der in seiner Intensität und phänomenalen Leichtigkeit auch an den wohl hoffmannigsten Hoffmann der letzten Jahrzehnte erinnert, an den wild irrlichternden Neil Shicoff. Wunderbar, wie Bernheim sich in jeden Spitzenton wirft, lyrisch, geshmeidig heldentenoral.

{The most important reason: Benjamin Bernheim, in high demand and sensational around the world. A Hoffmann with gold edging on the vocal cords, whose intensity and phenomenal lightness also parallels the most promising Hoffmann of the last decades, the wildly wandering Neil Shicoff. Wonderful how Bernheim throws himself into every top note, lyrically, smoothly, heroically.}

 


Joachim Mischke
Hamburger Abendblatt

Feature

Benjamin Bernheim: „Die Bühne bleibt das Wichtigste!“


Benjamin Bernheim is featured on the latest cover of the September edition of OPER! magazine. Read about his busy summer festival season and learn about his upcoming and much anticipated role and house debut at the Staatsoper Hamburg in the title role of Offenbach’s “Les contes d’Hoffmann”.

Full cover story available here.

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